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Stell dir vor, ... Winter

Stell dir vor, du wachst auf. Es dauert lange, bis sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, doch langsam erkennst du, wo du liegst. Du liegst in einem alten Holzbett, auf einer durchgelegenen Matratze und starrst die tiefe Decke über dir an. Eine kleine Kerze ist das einzige, was den Raum erleuchtet, und ihr Schein lässt seltsame Gestalten an den Wänden tanzen. Gähnend reibst du dir die Augen und streckst dich genüsslich. Du weißt zwar nicht, wie spät es ist, da der Raum keine Fenster hat, doch du weißt, dass es viel zu früh ist, um aufzustehen. Verwundert betrachtest du mich, wie ich auf einem alten Stuhl sitze und mir langsam die Schuhe zuschnüre. Ich bemerke deinen Blick und lächele. "Guten Morgen, du Schneekönigin.", sage ich und stehe langsam auf. Ich mache zwei, drei Schritte auf das Bett zu und gebe dir einen zarten Kuss auf die Stirn. "Ich wollte dich nicht wecken, aber wenn du schonmal wach bist,..." Ich mache eine einladende Geste Richtung Tür und du stöhnst auf. Ächzend lässt du dich in das warme Kissen fallen und schließt kurz die Augen. Als du sie einen kurzen Moment später wieder aufmachst, bin ich verschwunden. Verwundert und aufgrund der Kälte widerwillig steigst du aus dem Bett und kriechst in deine kalten Klamotten. Ein eisiger Schauer läuft dir über den Körper, erzeugt kurz eine Gänsehaut. Du musst kurz grinsen und verlässt das Schlafzimmer. Auch im Rest der kleinen Holzhütte, die wir zusammen gemietet haben, befinde ich mich nicht. Aber ich habe den Kamin angemacht, sodass das brennende Holz laut prickelnd eine wohlige Wärme von sich gibt. Dazu kommt, dass es nach köstlichem Tee riecht. Du beschließt, dich weiter auf die Suche nach mir zu begeben, und kleidest dich mit Schal, Mütze und weiteren Winterklamotten ein. Nach einer kurzen Überwindungspause verlässt du die Hütte und tritts über die Türschwelle in schmerzende Kälte. Draußen ist es noch dunkel, doch du erkennst, dass es schon wieder geschneit hat. Alles ist voller Schnee, die Tannen, die um unsere Hütte stehen, lassen ihre weißen Äste hängen, der See, der vor der Hütte liegt, ist nach wie vor eingefroren und von einer dünnen Eisschicht überdeckt. Und vor diesem See, auf einer kleinen Bank, erkennst du meine Gestalt, die dort einfach nur sitzt. Du schließt die Tür und gehst vorsichtig auf mich zu, bedacht, nicht auszurutschen. Der fast knöchelhohe Schnee knirscht unter deinen Füßen. Es dauert nicht lange, dann bist du bei mir angekommen.
"Warte einfach nur ab.", flüsterte ich ganz langsam auf deinen verdutzten Blick hin, hülle dich in eine wärmende Decke und überreiche dir eine Tasse mit dampfenden Tee, so als hätte ich gewusst, dass du noch kommst. Du weißt immer noch nicht, was das ganze soll, aber du sagst nichts weiter. Verwirrt folgst du meinem Blick in die Ferne, über den See hinaus zu dem riesigen Wald, der sich über den ganzen Horizont erstreckt. Ich lege einem Arm um dich und ziehe dich an mich heran. Du legst deinen Kopf auf meine Schulter und es ist so wunderschön vertraut, zwar nicht warm, aber es lässt dich die Kälte vergessen. Du fühlst dich wohl, durch und durch. Die letzten Tage waren eh die schönsten, die wir hier, in tiefstem Winter in einer einsamen Hütte ganz alleine, verbracht haben. Wir sitzen eine Zeitlang einfach nur da und starren in die Ferne. Die Wolken, die über den weit entfernten Bäumen ihren Weg dahergleiten, färben sich nach und nach rot, die Wipfel der Tannen werden von hinten rot angestrahlt, der Himmel scheint langsam nicht mehr so dunkel.
"Gleich.", murmel ich und gebe dir einen eisigen Kuss auf die Lippen, der dennoch unheimlich schön ist. Nur langsam öffnest du danach deine Augen wieder und siehst, dass ich dich beobachte. Ich lächel dich an und du fühlst dich so unheimlich wohl, dass du auch lächeln musst. Nur schwerfällig wenden wir den Blick wieder von einander ab und schauen erneut zu, wie der Tag uns begrüßt. Ganz langsam senkt sich die Sonne über die Kante des Waldes, über den Horizont und taucht alles umstehende in ein einzigartiges Licht. Fasziniert betrachtest du den goldenen Schein der Sonne, die leuchtende Sillhouette des Waldes. Du siehst, wie der von den Ästen gefangene Schnee freudig glitzert und etwas wunderbares ausstrahlen, was du nicht zu beschreiben vermagst.
"Das ist nicht alles.", murmel ich und du schaust mich verwundert an. Ich zwinker dir nur zu und deute auf den See. Und mit einem mal, ohne jegliche Vorwarnung, bricht der eingefrorene See in ein so enormes Glitzern aus, dass du die Augen abwenden musst. Als du wieder hinsiehst, bist du von dieser mächtigen Pracht völlig hingerissen. Eine solche Schönheit strahlt dir entgegen, dass du einfach nicht weggucken kannst. Ich nehm dich noch doller in den Arm und küsse deinen Scheitel. Eine einsame, gerührte Träne tropft aus deinem Augen auf die Decke, wo sie ganz schnell in dem Stoff verschwindet. Du richtest den Blick wieder hoch, schaust dir nochmal die gesamte Schönheit dieses Sonnenaufganges an, dann blickst du zu mir. Unsere Blicke treffen sich sofort und du siehst in meinen Augen ein freudiges Strahlen, eine verliebte Zufriedenheit. Ganz langsam hebe ich eine Hand, die von der Tasse wohlig gewärmt ist, und streichel dir zärtlich übers Gesicht. Du schließt genussvoll die Augen. Meine Finger fahren durch dein Haar, über deine sanften Lippen und über deine Wimpern. Plötzlich spürst du meine Lippen an deinen und küsst mich so sanft und zärtlich, wie du es lange nicht mehr getan hast. Dein Magen scheint sich zu überschlagen und du fühlst das gleiche Gefühl, das du hattest, als du noch richtig dolle verliebt warst. Diese Aufgeregtheit, dieses Besondere. Es dauert lange, bis sich unsere Lippen von einander trennen, und wir schauen uns tief in die Augen. "Weißt du was?", murmel ich langsam und du schüttelst bedächtigt den Kopf. "Schließ die Augen."
Du tust es und wartest gespannt ab. Du merkst, wie ich aufstehe, die Decke auf die Bank lege, und hörst das Knirschen meiner Schritte. Und plötzlich trifft dich ein weicher, kalter Schneeball im Gesicht. Empört reißt du die Augen auf und starrst mich wütend an. Ich habe mich ein paar Schritte entfernt und stehe da laut lachend. Du fängst an zu kreischen, reißt die Decke von den Beinen und wirfst deinen eigenen Schneeball. Gespielt verängstigt renne ich weg, du mir sofort hinterher, bis du mich eingeholt hast. Wir rangeln ein wenig und irgendwann liegen wir laut lachend im kalten Schnee und wälzen uns hin und her. Es ist zwar unheimlich kalt, doch auch unheimlich lustig.
"Komm.", murmel ich irgendwann, als unsere Lippen ganz kalt und unsere Finger ganz steif geworden sind. Wir packen schnell unsere Decken und unseren Tee zusammen und rennen in die Hütte, die so wunderbar warm ist. Wir schmeißen uns vor den Karmin, der neben der Wärme auch ein endlos romantisches Licht von sich gibt, und erneut begegnen sich unsere Lippen, diesmal leidenschaftlicher, inbrünstiger. Es dauert nicht lange, bis wir uns unsere Kleindung ausgezogen haben, und es dauert nicht lange, bis wir in der warmen Badewanne liegen...
19.2.11 11:31
 


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